Der Anfang

Es war im Frühjahr 1909, als acht bis zehn sportbegeisterte Jugendliche vom Neumarkt, von der Johannesstraße sowie der Wallen- und Webergasse unter Konrad Otterbein in Hersfeld einen Schwimmklub gründeten. Um die Wintermonate zu überbrücken, beschlossen sie auf einer Mitgliederversammlung im Vereinslokal „Schultreppe“ am Neumarkt, währen der kalten Jahreszeit Fußball zu spielen. Und weil die Liebe zum runden Lederball bald die Oberhand gewann, wurde im Juni 1910 aus dem Schwimmklub der Fußballklub „Britannia“ Hersfeld, aus dem sich im Laufe der Jahre die SG Hessen Hersfeld entwickeln sollte. Zum 1. Vorsitzenden wurde Konrad Otterbein gewählt, der noch bis 1945 verschiedene Ämter im Vorstand ausübte. Als Vereinsfarben bestimmte man schwarz und weiß.

Eifrig trainierten die jungen Burschen an der städtischen Bleiche, bis die Polizei eingriff und dort das Spielen verbot. Die Bürger waren für das althergebrachte Turnen und fanden es völlig in Ordnung, dass die Stadtväter dem neuen Verein kein städtisches Grundstück zur Verfügung stellten. Der Magistrat lehnte sogar die erbetene Verpachtung einer Wiese ab, da die Mitglieder des Fußballklubs sämtlich noch minderjährig waren.

Alt und Jung gemeinsam

Nun war guter Rat teuer. Da erwies sich der Landwirt Schneider von der Wallengasse als Helfer in der Not. Als Vater eines fußballbegeisterten Sprösslings erlaubte er, dass auf seiner Wiese am Weinberg gespielt werden durfte. Damit rettete sich der junge Verein über den ersten Winter. Dann pachtete der Schuhmachmeister Johannes Otterbein, gleichfalls Vater eines Mitglieds, auf seinen Namen für den Verein eine Wiese an der Haune. Das Bündnis zwischen alt und jung, in einem Verein selbstverständlich, hatte sich erstmals bewährt.

Mit unvorstellbarer Begeisterung wurde der Platz am Wege von der Haunebrücke nach Bingarts spielfähig gemacht. In jeder freien Stunde erschienen die Mitglieder auf „ihrer“ Wiese mit Hacken und Spaten und ebneten den Platz ein. Natürlich dachte noch niemand an ein genau abgegrenztes Spielfeld. Mit Steinen und höchstens Latten wurden die beiden „Tore“ markiert.

Fehlschuss kostete Strafe

Landete der Ball auf den Feldern der Anlieger, war meist auch der Feldhüter zur Stelle, und man musste mit einer Anzeige und einem Strafmandat rechnen. Flog der Ball mit Schwung in die Haune, was gleichfalls nicht selten vorkam, fischte man ihn mit einem zu diesem Zweck gebastelten Schöpfgerät wieder heraus.

Der Lederball wurde als größte Kostbarkeit gehütet. Waren seine Nähte gerissen, flickte sie man wieder sorgfältig zusammen. Notfalls begnügte man sich auch mit einem Ball aus Lumpen und Papier, den man mit Bindfäden zusammenschnürte.

Im Kampf um sein Fortbestehen in einer Zeit, da der Fußball noch keineswegs als Sport anerkannt war, und im Wettstreit mit den beiden anderen Hersfelder Fußballvereinen „Teutonia“ und „Victoria“ erstarkte die „Britannia“. Von Anfang an wurde neben dem Fußballspiel auch die Leichathletik gepflegt, und so konnte der Verein schon 1911 bei „olympischen Spielen“ im Kurpark den Sieger in der 4 x 100 m Staffel stellen.

Der Ausbruch des ersten Weltkrieges unterbrach auch in Hersfeld die sportliche Entwicklung. Die meisten Mitglieder der „Britannia“ wurden Soldaten, und viele von ihnen starben den Soldatentod.

Gemeinsamer Neuaufbau

Als nach dem Kriege die Heimkehrer ihren geliebten Sport wieder ausüben wollten, leitete sie das richtige Gefühl, dass in einer kleinen Stadt wie Hersfeld drei Ortsvereine zu viel seien und nur Einigkeit zu Erfolgen führen könne. So trafen sich die ehemaligen Mitglieder der drei Ortsvereine schon 1919 im alten Vereinslokal der „Britannia“ um über eine Neugründung zu beraten. Am 31. Mai 1919 wurde der “Hersfelder Fußballverein 1910“ in Vereinsregister eingetragen. Als Vereinsfarben bestimmte man Blau-Weiß, und unter diesen Farben treten die „Hessen“ auch noch heute an.

Im gleichen Jahr wurde der heutige Hessen-Platz von Domänenpächter Brinkmann gepachtet und im Laufe der Jahre völlig umgestaltet. Von der allgemeinen Aufwärtsentwicklung des Fußballsports nach dem ersten Weltkrieg profitierte auch der neue Verein, der schon 1920 rund 200 Mitglieder zählte und bald eine starke Jugendabteilung aufwies. In der Leichtathletik ging es gleichfalls aufwärts.

Die Sportgemeinde gründet sich

Damals hatte nur noch der TV Hersfeld 1848 eine Fußballabteilung, die aber für den Verein kaum eine Konkurrenz bedeutete. Wiederholt kam es zu Besprechungen wegen eines Zusammenschlusses aller Fußballer. In einer außerordentlichen Mitgliederversammlung wurde die vorgeschlagene Eingliederung in den Turnverein mit überwältigender Mehrheit abgelehnt und auf Beschluss der Generalversammlung vom 7. Juli 1921 durch die Namensänderung des Vereins in Sportgemeinde „Hessen“ Hersfeld 1910 e.V. den Spielern der aufgelösten Fußballabteilung des TV eine Konzession gemacht. 1. Vorsitzender der „Hessen“ wurde Heinrich Weiershausen, 2. Vorsitzender August Ries, der sich auch von 1928 bis 1936 als 2. Vorsitzender und 1948 bis 1949 als 1. Vorsitzender zur Verfügung stellte und jahrzehntelang als Trainer, Fußballobmann und Mitglied des Spielausschusses dem Verein selbstlos diente.

Der Hessenplatz entsteht

In den Jahren 1927 und 1928 entstand die neue Platzanlage, die nunmehr statt in der ursprünglichen Ost-West-Richtung in Nord-Süd-Richtung angelegt wurde. Unter Leitung von Heinrich Kern als unermüdlichem „Motor“ wurde aus vereinseigenen Mitteln im freiwilligen Arbeitsdienst der Mitglieder nach Feierabend die vorbildliche Sportplatzanlage mit Tribüne und Umkleideräumen am Strandbad auf dem von der Stadt gepachteten Grundstück geschaffen.

1929 erlebter der Platz, obwohl die Rundbahn und Weitsprunganlagen erst 1930 fertig gestellt werden konnten, seine festliche Einweihung mit Spielen und leichtathletischen Wettkämpfen aller Mannschaften mit Fackelzug und Festkommers im „Hessischen Hof“.

Die Reichsbahn steigt ein

1928 übernahm Nikolaus Kuhn den Vereinsvorsitz, den er bis 1945 behielt. Heinrich Weiershausen wurde sein Stellvertreter. Obmann für Fußball war August Ries und für Leichtathletik Peter Schaffert. Um 1930 zählte der Verein rund 450 Mitglieder.

Im Fußball brachten diese Jahre einen Höhepunkt der Vereinsgeschichte, und auch auf dem Gebiet der Leichtathletik zählte die SG Hessen Hersfeld zu den bekanntesten hessischen Vereinen. 1935 kam es zu einem Abkommen mit der damaligen Reichsbahn, und nach dem Zusammenschluss nannte sich der Verein Reichsbahn-Sportgemeinde „Hessen“ 1910 e.V., wobei der Vorstand personengleich mit dem 1928 gewählten blieb. Vereinslokal war das „Alte Brauhaus“ am Kirchplatz.

Das 25jährige Jubiläum

Im gleichen Jahr 1935 – am 25. Juli – wurde das 25jährige Vereinsjubiläum mit Fahnenweihe, Einweihung des Ehrenmals, Festzug, Wettkämpfen der Fußballer und Leichtathleten und Schlussball im „Zunftshaus“ würdig begangen. 1936 sah Hersfeld das große Reichsbahnsportfest in seinen Mauern. 1939 hatte die Sportgemeinde rund 600 Mitglieder.

Gerade der Fußball feierte in den dreißiger Jahren in Hersfeld Triumphe. Die „Hessen“ spielten in der damals höchsten deutschen Spielklasse, der Gauliga, schlugen sich dort sehr gut und erzielten viele hervorragende Ergebnisse. Zuschauermassen, bis zu 5.000 Zuschauern, strömten damals zum Sportplatz am Strandbad, und auch in Auswärtsspielen konnte die Mannschaft mit der Unterstützung zahlreicher Fans rechnen.

Krieg und Militärregierung

Der Zweite Weltkrieg, der den „Hessen“ wiederum zahlreiche Blutopfer auferlegte, unterbrach die stetige Aufwärtsentwicklung. Es gab fast nur noch Jugend- und Frauensport. Nur dem Vorstand unter Nikolaus Kuhn ist es zu danken, dass in diesen Jahren die Breitenarbeit im Verein dennoch fortgeführt wurde und die Leichtathleten sowie die Fußballjugend in Gau- und deutschen Vereinsmeisterschaften weiterhin gute Erfolge errangen.

War in den letzten Kriegsjahren das sportliche Leben immer mehr zum Erliegen gekommen, so beendete der Zusammenbruch 1945 jede Vereinstätigkeit, und die ersten Monate nach Kriegsende blieben ohne jeglichen Spielbetrieb. Auf Kontrollratsbeschluss wurde der Reichsbund für Leibesübungen mit sämtlichen ihm angeschlossenen Vereinen aufgelöst und verboten. Im August 1945 wurde der neugegründete Freie Volkssportverband Kurhessen von der Militärregierung anerkannt und mit der Neuorganisation des Sports beauftragt. Vereinsneugründungen waren nur mit Genehmigung der örtlichen Militärregierung möglich. Mitgliederversammlungen und Spielersitzungen waren nur erlaubt, wenn eine Woche vorher die Anmeldung bei der örtlichen Militärregierung erfolgte. So stand auch in Hersfeld das sportliche Leben vor einem völligen Neubeginn.

Aber schon im Jahr 1945 fanden sich die Mitglieder der früheren Ortsvereine zu einer „Sportgemeinschaft Hersfeld“ zusammen, die sofort starken Zulauf erhielt.

Noch lange war freilich an einen geregelten Spielbetrieb nicht zu denken. Es fehlte an ausreichender Ernährung, an Sportausrüstung und an Transportmitteln, jedes Plakat und jede Eintrittskarte musste erst genehmigt werden. Trotzdem wurde man auch in der Lullusstadt allmählich der Schwierigkeiten Herr.

„Hessen“ werden wieder aktiv

Im Sommer 1948 verstärkten sich die Bestrebungen der früheren Vereine, sich wieder selbstständig zu machen. Die Bestimmungen der Militärregierung waren inzwischen gelockert worden, und es durften auch wieder mehrere Vereine in einem Ort zugelassen werden. Auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung der „Sportgemeinschaft“ in der Neuen Turnhalle löste sich daher die bisherige Zwangsgemeinschaft auf, und am 18. August kam es zur Wiederbegründung der traditionsreichen Vereine TV 1848, Spielvereinigung 1924 und SG Hessen Hersfeld.

Schon am Tage der Wiederbegründung brachte es die „Hessen“ auf 300 Mitglieder. Und nun ging es unter dem alten Namen schnell wieder aufwärts – allen zeitbedingten Widerständen und Rückschlägen zum Trotz. August Ries stellte sich als 1. Vorsitzender zur Verfügung. Von 1949 bis 1953 leitete Dr. Friedrich Grunewald die Geschicke der „Hessen“, von 1953 bis 1956 Ernst Klingler.

Der neue „alte“ Hessenplatz

Wie alle Hersfelder Sportanlagen, so befand sich auch das Sportgelände am Strandbad 1945 in wenig erfreulichem Zustand. Der Hessenplatz war von einer amerikanischen Einheit belegt, die die Bretterumzäunung bedenkenlos verheizt hatte. Der Rasen des Spielfeldes war abgetragen und der Platz in ein Baseballfeld umgewandelt worden. Freiwillige Aufbauarbeit der Mitglieder half die schlimmsten Schäden zu beseitigen. 1948 war das Spielfeld eingeebnet und neu angesät, die neue Umzäunung erstellt, auch die Tore waren wieder aufgebaut, und die Laufbahn war instandgesetzt.

Im Jubiläumsjahr 1950 waren Barrieren und Betonpfosten wieder da, und die Stehtribüne war ausgebaut. Nun begannen die Planungen für eine neue Tribüne mit Umkleideraum und Jugendheim. 1954 wurde das alte Gebäude abgebrochen und das Richtfest für den großzügigen Neubau begangen.

Die finanzielle Belastung war aber so groß, dass das Bauvorhaben auf mehrere Jahre verteilt werden musste. 1955 waren die Sitztribüne und die Umkleideräume fertig. 1956 der Geräteraum, die Waschräume und die Öfen benutzbar. Seit 1958 kann der große Raum des Jugendheims für Spielerversammlungen und Zusammenkünfte der Jugend verwendet werden. Im Juni 1958 erlebte der neue Hessenplatz seine Einweihung. Da im Winter die Zubereitung von Warmwasser schwierig blieb, leitete Adam Schuster, seit 1943 bewährtes Vorstandsmitglied, mit Unterstützung des Hessischen Fußballverbandes eine Finanzierungsaktion zum Bau einer Duschanlage in die Wege. Obwohl es sich dabei um ein Projekt in Höhe von 10 000 DM handelte, wurde seine Durchführung durch Zuschüsse, sowie Eigenleistungen und Spenden der Mitglieder möglich, und so konnte im Januar 1959 auch die Duschanlage in Betrieb genommen werden.

Große sportliche Erfolge

Dem äußeren Aufschwung des Vereins, wie er sich mit dem Ausbau der Platzanlage der Öffentlichkeit zeigte, entsprach auch die stete sportliche Aufwärtsentwicklung. Im Fußball hielt sich die 1.Mannschaft drei Jahre lang in der obersten hessischen Amateurliga, die Reserve kam wiederholt zu Meisterehren, und die Jugend- und Schülermannschaften errangen oftmals die Kreis- oder gar die Bezirksjugendmeisterschaft.

Die im Jahre 1951 ins Leben gerufene Handballabteilung konnte trotz der kurzen Zeit ihres Bestehens schon auf beachtliche Erfolge zurückblicken. Sie errang drei Bezirksmeisterschaften und gehört seit 1954 zu den führenden Handballmannschaften des Bezirks. Für die aufopferungsvolle Arbeit  bei dem Aufbau der Handballabteilung werden an dieser Stelle, stellvertretend für viele andere „Hessen“, die Namen Theo Stübing, Hans Baumgardt, Wilhelm Abel und Dr. Alfred Orth genannt.

In der Leichtathletik hatte die seit je als besonders wichtig angesehene Breitenarbeit die erhofften Früchte getragen. Höhepunkte in der Vereinsgeschichte waren die Jahre 1948 bis 1950, denn dreimal hintereinander errangen die „Hessen“-Mädels die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft der weiblichen Jugend. 1949 wurde diese Meisterschaft in Hersfeld ausgetragen. Leichtathletische Kreis- und Bezirksmeisterschaften gehörten fast zur Selbstverständlichkeit, in der Mannschaftsmeisterschaft der Schüler schnitten die „Blauhemden“ im Hessenlande am erfolgreichsten ab, auch die Jugend stand mit an der Spitze, und 1958 war die SG Hessen Hersfeld in der Breitenarbeit der beste hessische Verein.

Bis sich in der Lullusstadt ein eigener Schwimmklub gründete, wurde von der Sportgemeinde, die von 1948 bis 1958 Mitglied des Hessischen Schwimmverbandes war, auch der Schwimmsport gepflegt.

50 Jahre „Hessen“ Hersfeld

Im Jahr 1956 übernahm Dr. Alfred Orth den Vorsitz. In seine Amtszeit fiel 1960 das fünfzigjährige Jubiläum, das mit einem Festkommers und einem großen Sportlerball würdig begangen wurde.

Anlässlich des Jubiläums gab der Vorstand eine Festschrift heraus, die in hervorragender Weise die Ereignisse des ersten halben Jahrhunderts bei der Sportgemeinde wiedergibt und auch diese Chronik in großem Maß inspirierte. Zu den Jubiläums-Sportveranstaltungen luden die „Hessen“ den FSV Frankfurt (Süddeutsche Oberliga) und VfL Marburg (Hessische Verbandsliga) ein. 25 Jahre später, in der kommenden Serie, werden beide Mannschaften wieder in die Oberau kommen, diesmal aber als Gegner um die Meisterschaft in der Oberliga.

Die 60er Jahre

1962 wählten die Mitglieder Hermann Lagemann zu ihrem 1.Vorsitzenden, dem 1964 Willi Wagner folgte. In seine Amtszeit fiel eine Neuordnung der Finanzen des Vereins. Die Sportgemeinde war gewachsen, Einnahmen und Ausgaben gestiegen – das erforderte, den Aufbau einer kaufmännischen Buchführung. Für die Verwirklichung setzten sich im besonderen Maße Henner Hornschuh und Adam Schuster ein.

Gegen Ende des Jahrzehnts entstand hinter der Tribüne des Hessenplatzes eine Vereinsgaststätte, das Sportlerheim.

Sportlich wussten die Fußballer in den sechziger Jahren zu überzeugen, ohne dass ihnen jedoch der große Wurf gelang. 1960 wurden sie Meister in der Bezirksliga, scheiterten in Aufstiegsspielen jedoch an Kickers Oberhausen. 1962/63 gelang ihnen erneut der Titelgewinn, doch diesmal erwiesen sich Eintracht Wetzlar und Geisenheim in der Aufstiegsrunde als die stärkeren Teams. Durch den 2.Platz 1964/65 stiegen die „Hessen“ in die neu gegründete Gruppenliga auf und verpassten ein Jahr später die Meisterschaft um einen Punkt.

Ähnlich erging es den Handballern, die in die Verbandsliga aufstiegen, wieder abstiegen, erneut den Aufstieg schafften, wieder im Kampf um den Klassenerhalt scheiterten. Gegen Ende des Jahrzehnts hieß es für sie langsam Abschied nehmen vom Feldhandball, denn fortan sollte vorwiegend in der Halle gespielt werden. Gegen Ende der sechziger Jahre schlossen sich unsere Leichtathleten und die des TVH zu einer LG zusammen, um gemeinsam wieder a früher große Erfolge anzuknüpfen. Doch leider bewährte sich dieser Zusammenschluss nur wenig, im Jahr 1981 ging man wieder auseinander.

1969 bauten die Sportkameraden Schminke und Huckschlag eine Badminton-Abteilung auf, die schnell wuchs.

Zwei neue Abteilungen

Im Jubiläumsjahr 1970 übernahm Heinz Pfaffenbach, heute unser Ehrenpräsident (17 Jahre Amtszeit), die Führung der Sportgemeinde. Ein Jahr später fielen in seine Amtszeit schon bittere Stunden: Die Fußballer stiegen aus der Gruppenliga in die Bezirksklasse ab.

Doch auch Erfreuliches ist von seinem Start zu vermelden. Die Hessen-Familie wuchs. Zwei neue Abteilungen vergrößerten das Sportangebot des Vereins: 1970 rief man eine Frauen-Gymnastik-Abteilung ins Leben, 1971 folgten die Bogenschützen.

Volksfest zum 65jährigen

Das 65jährige Jubiläum feierten die Hessen zünftig im großen Festzelt auf dem Hessenplatz. Nach den feierlichen Festkommers herrschte ein Wochenende lang Jubel und Trubel, und als Höhepunkt wurde bei einer Tombola ein PKW verlost.

Die Hessen-Familie wächst

1976 war die Sportgemeinde um eine weitere Abteilung gewachsen: Judokas hatten sich dem Verein angeschlossen. Allerdings war ihr Engagement leider nur sehr kurzzeitig. 1984 löste sich diese neue Sparte wieder auf.

Die Möglichkeiten der Handballer verbesserten sich gegen Ende des Jahrzehnts, nachdem zwei Großsporthallen in Bad Hersfeld fertig gestellt waren. Nun konnte die Abteilung den zahlreichen Fans international renommierte Teams in Freundschaftsspielen präsentieren.

Endlich wieder Landesliga

Die Fußballer schafften nach einer großartigen Serie die Meisterschaft und damit den Aufstieg in die Landesliga. Zum entscheidenden Spiel gegen einen Widersacher alter Tage, Germania Fulda, waren 2500 Zuschauer gekommen.

Kurze Zeit später jedoch, nachdem die Stadt das Gelände von der Eisenbahn gekauft hatte, begann der Umbau zum Sportgelände an der Oberau. Gespielt werden musste nun im Jahnstadion, und das Jahnstadion erlebte auch eine der schwersten Serien der Fußballer: 1978/79 schafften sie den Klassenerhalt in der Landesliga erst nach einem 1:0 Sieg im Entscheidungsspiel gegen Vellmar.

Hessenstadion an der Oberau

Den Feierlichkeiten zum 70jährigen Jubiläum war leider der Wettergott nicht hold, dabei hatten sich die Verantwortlichen besonderer Mühe gegeben, der Hessen-Familie etwas zu bieten: Aus München gastierte die weltberühmte Ambros-Seelos-Band im Festzelt an der Oberau.

Dennoch sah man viele strahlende Gesichter: Die neue Sportanlage war im Rahmen des Jubiläums von Bürgermeister Boehmer an den Verein übergeben worden.

Das Sportgelände an der Oberau besaß nun zwei Rasen-Spielflächen und einen Mehrzweckplatz mit Kunststoffbelag. Tribüne, Umkleideräume waren umgebaut worden, die Stadiongaststätte vergrößert. Auf einer 100-m-Bahn, einer Weitsprung sowie einer Kugelstoßanlage finden auch die Leichtathleten Möglichkeiten zum Trainieren. Alle Sportstätten sind mit Flutlicht ausgestattet. Über drei Millionen DM kostete der gesamte Ausbau der Sportanlage an der Oberau.

Hessen in der Oberliga

Das neue, schöne Stadion beflügelte vor allem die Fußballer. Schon im kommenden Jahr erkämpften sie nach einer spannenden Entscheidungsrunde gegen Schrecksbach und Hermanina Kassel den Aufstieg in die Oberliga. Allerdings dauerte das Gastspiel in der höchsten hessischen Amateurklasse nur ein Jahr.

Im Jahr 1981 fand der Schachclub Bad Hersfeld zur Sportgemeinde Hessen. Im Jugendheim erwarteten ihn beste Spiel- und Trainingsmöglichkeiten. Daher schloss er sich als Abteilung dem Verein an.

Handballer inszenieren Sportschauen

Die Handballabteilung setzte zwischen 1982 und 1984 Glanzlichter in das Hersfelder Sportgeschehen. In der sportarmen Zeit zwischen den Jahren spielten sie gegen international bekannte Mannschaften (Dukla Prag) und umrahmten diese Veranstaltungen in der Sporthalle im Geistal mit gelungenen Sportschauen. Die Zuschauerresonanz war jedes Mal beachtlich.

Wieder in der Oberliga

Während der Amtszeit von Heinz Pfaffenbach entwickelte sich die Sportgemeinde Hessen Hersfeld zum Großverein mit über 1500 Mitgliedern. Der Verein steht im Jahr des 75jährigen Jubiläums sportlich und finanziell gut da.

Das Tüpfelchen auf das i setzte die 1. Fußballmannschaft. Vier Spieltage vor Saisonende sicherte sie sich die Meisterschaft in der Landesliga Nord und steigt erneut in der Oberliga auf.

Länderspiel bei den Hessen

Doch auch 1984 gab es einen besonderen Höhepunkt an der Oberau: Hessen Hersfeld war Gastgeber der B-Jugendmannschaften von Deutschland und Schweden, die ihr Qualifikationsspiel für die Europameisterschaften austrugen. Bei wunderschönem Herbstwetter erlebten 5000 Zuschauer ein tolles Spiel und einen verdienten 5:1 Sieg der von Horst Köppel betreuten deutschen Auswahl.

Abenteuer Oberliga

Nach dem Aufstieg in die Oberliga war die Euphorie groß. Der größte Erfolg in dieser Spielserie war der legendäre 3:2 Sieg am 13.Dezember 1985 am "Bieberer Berg" in Offenbach. Der OFC war Tabellenführer und die SG Hessen Hersfeld abgeschlagen auf dem letzten Platz.

Die Offenbacher die sich im Vorfeld ihrer Weihnachtsfeier wahrscheinlich nur Gedanken über die Höhe des Sieges gegen das Schlusslicht machten, verloren überraschend gegen die SG Hessen Hersfeld. Am Ende der Saison stieg man wieder in die Landesliga Nord ab.

Eine feste Größe in der Landesliga

Es folgten mehrere Jahre Landesliga, die man meistens auf den vorderen Plätzen der Tabelle abschloss. Diese erfolgreiche Zeit spiegelte sich auch in den Zuschauerzahlen wieder. So verfolgten im April 1989 4500 Zuschauer das Spiel SV Hünfeld gegen Hessen Hersfeld, das wir leider mit 4:3 verloren.

In der Saison 1991/92 konnte man sich gerade noch so in der Landesliga Nord halten. Am Ende der folgenden Saison stand es dann aber fest. Die SG Hessen Hersfeld stieg als 16. in die Bezirksoberliga ab. Die damalige Schlagzeile aus der Hersfelder Zeitung lautete "Hessen" - Abstieg ist besiegelt.

Die 90er Jahre

1990 übernahm Peter Dietz nach einem Jahr den Posten des ersten Vorsitzenden von Volker Epple, der auf die zweijährige Amtszeit von Raimund Schraad folgte.

Als es im Bereich Fußball nicht mehr so gut lief, feierten andere Abteilungen sportliche Erfolge. In der Saison 1994/95 trug zum Beispiel die gute Jugendarbeit der Schachabteilung auch im Erwachsenenbereich Früchte und der 1. Mannschaft gelang zum ersten Mal in ihrer Vereinsgeschichte der Aufstieg in die Hessenliga.

Hier bleibt insbesondere der dramatische Wettkampf gegen den favorisierten Kasseler SK am 15. Januar 1995 im Gedächtnis, der nach über 10 stündiger Spielzeit abgebrochen werden musste. Die Hersfelder erzielten bei der Wiederaufnahme ein 4:4, das am Ende die Meisterschaft zu ihren Gunsten entschied. Selbst die Hochwasserkatastrophe, die eine Woche später die gesamte Sportgemeinde heimsuchte, konnte den Aufstieg nicht mehr verhindern

In diesem Jahrzehnt entwickelte sich die Handball Abteilung zusehends und prägte mit Ihren Erfolgen das Bild der SG Hessen Hersfeld. Unvergessen der Aufstieg der Handballdamen in die Regionalliga im März 1992 durch ein 29:19 gegen Ost Mosheim. Die Erfolgsgeschichte ging weiter.

Bereits in der Saison 1994/95 schaffte man den nächsten großen Schritt und stieg in die 2. Bundesliga auf, die man in der darauffolgenden Saison als Tabellenvierter erfolgreich abschließen konnte.

Auch im nächsten Jahr konnte man sich in der 2. Bundesliga etablieren, ehe man in der Saison 1997/98 ungeschlagen Meister der 2. Bundesliga wurde und damit verbunden den Aufstieg in die 1. Liga schaffte.

Wagnis 1. Liga und die Folgen

Der Name SG Hessen Hersfeld war in dieser Zeit in der Region ein Synonym für erfolgreichen Handball. Es gab zwar noch andere Abteilungen, diese wurden aber in der breiten Öffentlichkeit kaum noch wahrgenommen. Auch innerhalb des Vereins blickten fast alle Richtung Handball.

Fast vergessen die Erfolge der Schachabteilung um Florian Grafl mit dem die 1. Mannschaft in der Saison 1998/99 erneut der Aufstieg in die Hessenliga schaffte. Bei der SG Hessen Hersfeld wurde aber auch erfolgreich Damenschach gespielt. Katrin Radick, Linda Grafl und Lena Robitzsch gewannen zwischen 1999 und 2002 dreimal die Hessischen Meisterschaften der U 20 und wurden demzufolge auch 2000 zur Mannschaft des Jahres im Sportkreis gewählt.

Auch die Fußballer konnten im Schatten des Handballs als Meister der Bezirksliga 2000/01 den Aufstieg in die Bezirksoberliga wieder feiern, waren aber weit weg von einstigen Erfolgen.

Die 1. Handballbundesliga war nicht nur sportlich eine Herausforderung. So gelang es in den ersten drei Jahren immer gerade so die Klasse zu erhalten, ehe man die Saison 2001/02 als Tabellen 9. sicher halten konnte.

Um die sportliche Perspektive der Handballerinen zu verbessern, wurden erfahrene Kräfte und Spielerinnen mit entsprechendem Potential benötigt. Darunter waren auch ausländische Nationalspielerinnen und deutsche Perspektivspielerinnen wie zum Beispiel Tone Wølner, Ilka Arndt, Susanne Henze, Mandy Kerkossa, Alexandra Meisl, Tetjana Nykytenko, ldikó Barna um nur einige zu nennen.

Der Spielbetrieb war nicht ohne finanzielles Risiko. Wie groß dieses Risiko war wurde auf dramatische Weise am 01.04.2003 publik. Folgende Meldung lief über die Presseticker:

"Frauen-Handball-Bundesligist SG Hessen Hersfeld hat seine Mannschaft mit sofortiger Wirkung aus der Bundesliga zurückgezogen. Wie am Dienstagabend bekannt wurde, werden alle Spiele des Tabellenvorletzten annulliert, der damit neben dem abgeschlagenen Schlusslicht Teutonia Riemke als zweiter Absteiger feststeht." dpa (01.04.2003)

Welche Auswirkung dies auf den Gesamtverein haben sollte, war zu diesem Zeitpunkt nicht absehbar. Man war der Meinung mit einer Sportmarketing GmbH, die für den Handball verantwortlich war, einen sicheren Weg gewählt zu haben. Was sich im Nachhinein nicht bewahrheitete.

Dies war allerdings nicht der einzige schwarze Moment im Jahr 2003. Nach 13 Jahren als erster Vorsitzender verstarb Peter Dietz. Nach einer halbjährigen Übergangszeit übernahm Rolf Malachowski am 19.03.2004 die Geschicke als erster Vorsitzender und hatte fortan mit den Folgen des Handball-Kollapses zu kämpfen.

Die in der Handballhochzeit „vernachlässigten“ Abteilungen, soweit es sie noch gab, spalteten sich vom Verein ab oder lösten sich auf, um bei anderen Vereinen unterzukommen.

Im Jahr 2003 fanden einige ehemalige Badminton Spieler der SG Hessen Hersfeld eine neue Heimat beim TSV Kalkobes und begründeten hier die Badminton-Abteilung.

2004 endet auch die Geschichte der Schachabteilung in der SG Hessen Hersfeld. Im Einvernehmen mit dem Hauptverein wurde die Abteilung aufgelöst und die Schachspieler gründeten den SK Turm Bad Hersfeld als selbständigen Verein.

Die Handballer schlossen sich 2005 dem TV Hersfeld an und so blieb am Ende nur noch die Fußballabteilung übrig.

Schweinsteiger & Co.

Acht Jahre nach dem letzten Jugend-Länderspiel richtete die SG Hessen Hersfeld am 03.10.2002 das U19 EM Qualifikationsspiel Deutschland gegen San Marino aus.

Herausragender Spieler vor 2000 Zuschauern im „Hessen“ Stadion war der Stürmer Erdal Kilicaslan vom FC Bayern München, der gleich vier Treffer beisteuerte und dabei sogar einen Hattrick schaffte. Wenn man sich im Nachhinein die damalige Aufstellung der Deutschen Mannschaft betrachtet, stellt man fest, dass zurzeit aktuelle Nationalspieler wie Schweinsteiger, Trochowski und aktuelle Bundesligaspieler wie Rensing und Lell bereits bei uns gespielt haben. Das Spiel endete 10:0 und DFB-Trainer Horst Hrubesch lobte danach seine Mannschaft sowie die tollen Bedingungen im Hessen-Stadion Oberau.

Die DFB-Aufstellung gegen San Marino:

Rensing - Jarosch, Schaffrath - Lell, Schweinsteiger, D. Müller - Odonkor (65. Spann), Trochowski, Ludwig (73. Streit) - Fasanelli, Kilicaslan (54. Sen)

Deutschland - San Marino 10:0 (4:0) in Bad Hersfeld (EM-Qualifikation)

Zurück zu den Wurzeln

Die SG Hessen Hersfeld war zu ihren Wurzeln zurückgekehrt. Wie damals zur Gründungszeit besteht der Verein nur noch aus Fußballern.

Diese spielten nach zweijährigen Bezirksoberliga Intermezzo, wieder in der Bezirksliga Fulda.

Aufgrund der finanziellen Altlasten aus der Handball-Bundesligazeit, hat es die Fußball-Abteilung nicht leicht. Von dem einstmaligen Großverein mit über 1500 Mitgliedern sind nur noch rund 500 „Hessen“ übriggeblieben. Um den Spielbetrieb aufrecht zu erhalten gründete man mit der Spielvereinigung Hersfeld eine Spielgemeinschaft.

In der Bezirksliga Saison 2006/07 gelang der Mannschaft unter Trainer Norbert Rickert in einem packenden Finish, durch ein 6:2 gegen Unterhaun vor 2000 Zuschauern im Hessen Stadion, am letzten Spieltag die Meisterschaft.

Seitdem spielt die erste Mannschaft in der Gruppenliga Fulda. Die Zweite Mannschaft spielt seit 2009 in der Kreisliga A.

100 Jahre

Im Rahmen unseres 100 jährigen Jubiläums richteten wir die im Juni 2010 die Deutschen Polizeimeisterschaften der Frauen in unserem Stadion aus. Zu deren Durchführung und reibungslosen Organisation uns das Hessische Innenministerium als Veranstalter beglückwünschte.

Des Weiteren wurde ein Jubiläumsspiel organisiert, in dem der griechische Erstligist PAOK Saloniki gegen den Drittligisten Rot Weiß Erfurt im Hessen Stadion antrat. Dieses Spiel wurde sogar im griechischen Fernsehen Live übertragen.

Alles in allem blicken wir auf bewegende 100 Jahre SG Hessen Hersfeld zurück. Mit vielen Höhen aber auch Tiefen.

Schachabteilung der SG Hessen Hersfeld (1981-2004)

Die Geschichte der Schachabteilung in der SG Hessen beginnt am 1. Januar 1981. Denn seit diesem Zeitpunkt konnten die Schachfreunde des SK Bad Hersfeld den Jugendraum im Sportlerheim an der Oberau nutzen, um dort das „königliche Spiel“ wettkampfmäßig zu betreiben. Nachdem in den Hauptversammlungen der beiden Vereine die entsprechenden Voraussetzungen geschaffen worden waren, wurde die Schachabteilung am 1. Juli 1981 auch formell gegründet. Ihre ca. 40 Mitglieder setzten so die 44jährige Tradition des organisierten Schachs in Bad Hersfeld unter dem Dach der Sportgemeinde fort.

Bis Anfang der 1990er Jahre zeigte sich die 1. Mannschaft der Abteilung als eine typische Fahrstuhl-Acht: Vier Abstiegen aus der Landesklasse Nord folgte jeweils die Meisterschaft der Unterverbandsklasse und der direkte Wiederaufstieg in den Jahren 1985, 1987, 1989 und 1992. Eine intensive und nachhaltige Jugendarbeit legte jedoch den Grundstein für die Goldene Zeit des Hersfelder Schachs in den Neunziger Jahren. Die Hersfelder Schachjugend demonstrierte überregional ihre Spielstärke und errang serienweise Hessische Meister- und Vizemeistertitel in Einzel- und Mannschaftswettbewerben. Die stärksten Spieler waren Bernd Steinberg, Darius C. Hamidzadeh, Thomas Frank, Wolfgang Frank und Florian Grafl. Die C-Jugend wurde zwischen 1989 und 1991 dreimal in Folge Hessenmeister und 1990 Mannschaft des Jahres im Sportkreis Hersfeld-Rotenburg.

In der Saison 1994/95 trug die gute Jugendarbeit auch im Erwachsenenbereich Früchte und der 1. Mannschaft gelang zum ersten Mal in ihrer Geschichte der Aufstieg in die Hessenliga. Im Gedächtnis bleibt hier vor allem der dramatische Wettkampf gegen den favorisierten Kasseler SK am 15. Januar 1995, der nach über 10stündiger Spielzeit abgebrochen werden musste. Die Hersfelder erzielten bei der Wiederaufnahme ein 4:4, das am Ende die Meisterschaft zu ihren Gunsten entschied. Selbst die Hochwasserkatastrophe, die eine Woche später die gesamte Sportgemeinde heimsuchte, konnte den Aufstieg nicht mehr verhindern; auch die Schachspieler halfen bei der Renovierung der Räumlichkeiten kräftig mit.

Mit Florian Grafl hatte die Schachabteilung nun auch einen Spieler in ihren Reihen, der die üblichen Maßstäbe weit überragte. Dank seiner außergewöhnlichen Begabung und einer gezielten Förderung sammelte er schon im jugendlichen Alter auf Hessenebene zahlreiche Titel, wurde 1996 im Alter von dreizehn bereits Sportler des Jahres und errang 1997 sogar den deutschen Meistertitel der C-Jugend. Er nahm an Welt- und Europameisterschaften teil und konnte als größten Erfolg 2000 die Vize-Europameisterschaft verbuchen; in demselben Jahr gewann er auch die Hessische Meisterschaft der Erwachsenen. Mit Grafl am Spitzenbrett gelang der 1. Mannschaft in der Saison 1998/99 erneut der Aufstieg in die Hessenliga.

Ebenfalls einen sehr hohen Stellenwert besaß in der Abteilung das Damenschach: Katrin Radick, Linda Grafl und Lena Robitzsch gewannen zwischen 1999 und 2002 dreimal die Hessischen Meisterschaften der U 20 und wurden demzufolge auch 2000 zur Mannschaft des Jahres im Sportkreis gewählt. Den größten Erfolg konnte Birgit Schuster erringen, die 2001 in Willingen für die Hersfelder Farben zur Hessischen Damenmeisterin avancierte.

Die Geschichte der Schachabteilung besteht aber nicht nur aus Titeln, Aufstiegen und Meisterschaften sondern auch aus vielen zwischenmenschlichen Begegnungen. So wurden Freundschaftswettkämpfe unter anderem gegen Düsseldorf, Schwabmünchen, Bad Salzungen und Solingen bestritten. Anlässlich des 75jährigen Jubiläums des Hauptvereins nahm die Abteilung unter Federführung von Jochen Bleitner an einem europäischen Städtefernturnier teil. In dem Vorinternet-Zeitalter wurden die Züge telefonisch oder per Fernschreiber übermittelt und täglich in der Hersfelder Zeitung veröffentlicht.

Besondere Höhepunkte für die Schachabteilung waren zwei Simultanturniere mit renommierten deutschen Schachgroßmeistern. Lothar Schmid, der u. a. den legendären WM-Kampf Fischer gegen Spasski als Schiedsrichter geleitet hatte, gastierte 1985 in Bad Hersfeld und spielte gegen 30 Schachfreunde des Unterverbandes. 1997 ließ sich der aus vielen Schachsendungen im Fernsehen bekannte Großmeister Dr. Helmut Pfleger ebenfalls von 30 Schachspielern der Region in einer über fünfstündigen Simultanveranstaltung herausfordern.

Einmal im Jahr ‑ bei dem traditionellen Schach-Fußball-Turnier in Langenbieber ‑ gerieten die Schachfreunde auch körperlich ins Schwitzen. Bezeichnenderweise geschah dies in den blauen Trikots der SG Hessen, die die Fußballabteilung regelmäßig zur Verfügung stellte. So beflügelt liefen die Schachspieler auch auf dem grünen Rasen zu großer Form auf und füllten die Vitrine des Jugendraumes weiter mit Pokalen.

2004 endet die Geschichte der Schachabteilung in der SG Hessen: Im Einvernehmen mit dem Hauptverein wurde die Abteilung aufgelöst und die Schachspieler gründeten den SK Turm Bad Hersfeld als selbständigen Verein. Die 23 gemeinsamen Jahre waren nicht nur von herausragenden sportlichen Leistungen und einem guten menschlichen Zusammenhalt sondern auch von großer Kontinuität geprägt. Für eine schnelllebige Zeit gewiss ungewöhnlich stand in all den Jahren mit Hans-Dieter Frank dieselbe Person an der Spitze der Schachabteilung, die er mit Umsicht, hohem Engagement und viel Idealismus im Team mit dem Abteilungsvorstand leitete.

Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Sportgemeinde blicken die Schachfreunde auf eine sehr erfolgreiche Zeit in der SG Hessen Hersfeld zurück und wünschen in alter Verbundenheit alles erdenklich Gute.

Tilman Heisterhagen

Ehrentafel

Gründer des Vereins

Konrad Otterbein †, Heinrich Funk †, Heinrich Kern †, Konrad Kuhn †, Konrad Rehm †, Adam Steinhauer †, Karl Schmietenknop †, Heinrich  Weiershausen †, Julius Braun †, Karl Münster †

Vorsitzende der Sportgemeinde Hessen Hersfeld 1910 e.V

1909 – 1912                  Konrad Otterbein †
1912 – 1914                  Julius Braun † 
Im Krieg keine Vereinsgeschichte 
1991 – 1921                  Kurt Thiele † 
1921 – 1928                  Heinrich Weiershausen †
1928 – 1933                  Nikolaus Kuhn †
1933 – 1935                  Georg Hartwig †
1935 – 1945                  Nikolaus Kuhn †
1945 – 1948                  Kriegssportgemeinschaft 
1948 – 1949                  August Ries †
1949 – 1953                  Dr. Friedrich Grunewald †
1953 – 1956                  Ernst Klingler †
1956 – 1962                  Dr. Alfred Orth †
1962 – 1964                  Hermann Lagemann
1964 – 1970                  Willi Wagner †
1970 – 1987                  Heinz Pfaffenbach
1987 – 1989                  Raimund Schraad
1989 – 1990                  Volker Epple
1990 – 2003                  Peter Dietz †
2004                           Rolf Malachowski